Architektur

DeepInfer: DeepSeek legt seinen Inferenz-Stack offen

155 Billionen Token pro Tag aus einem Cluster: DeepSeek öffnet das Inferenzframework hinter V4.1-Flash. Was im Apache-2.0-Release steckt - und was fehlt.

Säulendiagramm: Durchsatzgewinn von DeepSeeks DSpark-Verfahren gegenüber fester Verifikationslänge, gemessen bei 16 bis 96 gleichzeitigen Sequenzen pro Rang - von minus 1,5 bis plus 11,0 Prozent.
DSpark (dynamische Verifikationslänge) gegenüber der festen Länge 5: Hersteller-Messwerte aus EP64/DP64-Benchmarkdaten. Eigene Grafik, Quelle [2]. · Eigene Grafik (Redaktion)
Kurz gesagt
  • DeepSeek hat DeepInfer, das Inferenzframework hinter dem Produktivbetrieb von V4.1-Flash, unter Apache 2.0 veröffentlicht - mit Kerneln, Parallelisierung, spekulativer Decodierung und strukturierten Ausgaben.
  • Im Release fehlen bewusst KV-Cache-System, Disaggregation und Lastausgleich; die Architektur dieser Komponenten ist stattdessen detailliert beschrieben.
  • Herstellerangaben zum Eigenbetrieb: 155 Billionen Token pro Tag aus einem Cluster, 38 US-Dollar Umsatz pro GPU-Stunde (Talstrompreis), KV-Cache über 72 Stunden in einem eigenen Speichercluster.
  • DSpark verifiziert bei spekulativer Decodierung nur lohnende Entwurfs-Tokens - laut Hersteller 30 Prozent weniger Verifikationsarbeit bei 4 bis 7 Prozent mehr Durchsatz unter Last.

DeepSeek hat mit DeepInfer das Inferenz-Framework veröffentlicht, das hinter dem Produktivbetrieb von DeepSeek-V4.1-Flash steht: Das Repository ist seit dem 16. Oktober 2026 öffentlich, steht unter der Apache-2.0-Lizenz und hat zuletzt rund 21.000 Sterne gesammelt [1]. Das Bemerkenswerte ist nicht nur der Code, sondern die Dokumentation: In einem ausführlichen Deployment-Q&A beschreibt DeepSeek, wie der eigene Großbetrieb organisiert ist - ein Cluster soll derzeit 155 Billionen Token pro Tag ausliefern, bei einem Gesamtumsatz von 38 US-Dollar pro GPU-Stunde zum Talstrompreis (Herstellerangabe) [2]. Dieser Artikel sortiert, was im Release steckt, was bewusst fehlt und was die veröffentlichten Betriebsdetails wert sind.

Was im Release steckt

DeepInfer liefert Offline-Inferenz für genau ein Modell: DeepSeek-V4.1-Flash (Standard-Checkpoint V4.1-Flash-1017) [1]. Enthalten sind optimierte Kernel - darunter FlashMLA, DeepGEMM, DeepEP, TileKernels, DeepSelect und eigene TileLang-Kernel -, Parallelisierung über Attention-Datenparallelismus mit balanciertem Kontext-Parallelismus sowie MoE-Expertenparallelismus mit Lastausgleich (EP + EPLB), dazu ein Modell- und Sampler-Laufzeitsystem [1]. Unterstützte Hardware: NVIDIA-GPUs der Generation SM100 (Blackwell) und Huaweis Ascend 950 [1].

  • DSpark mit vertrauensgesteuerter Verifikation: Spekulative Decodierung mit variabler Länge - ein Confidence-Kopf schätzt die Akzeptanzrate jedes Entwurfs-Tokens, verifiziert wird nur die Teilmenge mit dem höchsten Grenznutzen [1][2].
  • SWA Bounded Replay: Beim erneuten Einlesen wird nur ein begrenztes Endstück des Kontexts neu gerechnet; für die V4.1-Standardeinstellungen sind 140 Tokens vorgesehen [1].
  • Asynchrones Scheduling: Die CPU-Batchplanung läuft überlappt zur GPU-Ausführung, standardmäßig aktiviert [1].
  • Batch-invariante Inferenz und deterministisches Sampling: identische Ergebnisse unabhängig von der Batch-Zusammensetzung beziehungsweise identische Ausgaben bei identischen Eingaben - beides derzeit nur auf NVIDIA [1].
  • Strukturierte Ausgaben: Generierung entlang regulärer Ausdrücke, JSON-Schema oder EBNF-Grammatik [1].

Dazu gehört das parallel veröffentlichte Paket deepseek-recipe (MIT-Lizenz): eine Komponente zur Token-Kodierung und -Dekodierung, die API-Protokolle und Modell-Tokenfolgen so übersetzt, dass Dritt-Deployments dasselbe API-Verhalten wie die offizielle DeepSeek-API zeigen [2][4]. DeepSeek kündigt an, den Inferenzcode künftiger Modelle und weitere Leistungsarbeit ebenfalls in DeepInfer zu öffnen [2].

Was bewusst fehlt

Das Release ist die Engine, nicht das Produktionssystem. Nicht enthalten sind das KV-Cache-System, die Disaggregation von Vision-Encoder, Prefill und Decode (VE/P/D) sowie der Lastausgleich über Datenreplikate hinweg - laut DeepSeek, weil diese Komponenten zu eng mit der internen Infrastruktur verzahnt sind [1][2]. Statt des Codes veröffentlicht das Unternehmen die Architektur: Das Q&A-Dokument beschreibt Designziele, Parallelisierung, Speicherlayout und Lastausgleich im Detail, verweist für die beiden fehlenden Komponenten auf einen ausführlichen Blogbeitrag und soll laufend fortgeschrieben werden [2].

DeepInfer: Release-Inhalt versus Produktionssystem
KomponenteIm Release?Quelle
Kernel, Modell- und Sampler-LaufzeitJa[1]
Parallelisierung (Attention DP/CP, MoE EP + EPLB)Ja[1]
DSpark, SWA Replay, asynchrones SchedulingJa[1]
Batch-invariante Inferenz, deterministisches SamplingJa (nur NVIDIA)[1]
Strukturierte AusgabenJa[1]
KV-Cache-SystemNein (Architektur beschrieben)[1][2]
VE/Prefill/Decode-DisaggregationNein (Architektur beschrieben)[1][2]
Lastausgleich über DatenreplikateNein[1]

Die Skala des Originalbetriebs

Die Angaben zum Eigenbetrieb sind Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung, aber sie sind ungewöhnlich konkret: Ein einzelnes Cluster soll derzeit 155 Billionen Token pro Tag bedienen, der Gesamtumsatz werde mit 38 US-Dollar pro GPU-Stunde zum Talstrompreis beziffert [2]. Die Anlage sei um drei Ziele herum gebaut: Beschleuniger mehrerer Hersteller nutzen, Prefill und Decode auf Standardhardware organisieren (gewöhnliche 8-GPU-Maschinen für Prefill, 64- bis 128-GPU-Supernodes für Decode) und den KV-Cache länger als 72 Stunden vorhalten, um wiederholtes Prefill zu vermeiden [2].

Für Prefill reichen laut Q&A kleine Konfigurationen (EP2-8/DP2-8, „so klein wie der HBM-Speicher erlaubt“), für Decode empfiehlt DeepSeek Wide-EP mit 64 bis 128 Expertenparallel-Rängen; die kleinste effiziente Einheit liegt damit bei 64 Prefill- plus 64 Decode-GPUs, ein 1P+1D-Aufbau sei aber prinzipiell lauffähig [2]. Tensor- und Kontext-Parallelismus werden derzeit nicht genutzt [2].

Der KV-Cache als separates Speichercluster

Der blockweise KV-Cache liegt nicht im Maschinenspeicher, sondern in einem dedizierten 3FS-Speichercluster mit rund 100 PiB SSD-Kapazität; die Aufbewahrungszeit beträgt drei Tage für Agenten-Verkehr und sieben Tage für Chatbot-Verkehr, weil dort eine kleine Menge Cache sehr oft getroffen werde - eine Verkürzung auf drei Tage koste dem Chatbot-Verkehr erfahrungsgemäß 0,5 bis 1 Prozentpunkt Trefferrate [2]. Empfohlene Speicherserver: 20 SSDs à 30,73 TB mit mindestens 40 GB/s Lese- und 5 GB/s Schreibdurchsatz; logisch fallen etwa 14,4 TB pro GPU an [2]. Die Auslagerung entkoppelt laut DeepSeek zwei Dinge: Jede Prefill-Maschine kann jedes Präfix treffen, ohne dass Präfix-Affinität mit dem Lastausgleich kollidiert, und Speicher- und Rechenknoten skalieren unabhängig - Rechenknoten fielen mehr als zehnmal häufiger aus als Speicherknoten [2]. Der Sliding-Window-Anteil des Cache bleibt dagegen lokal: 20 Schichten à 134 Token à 528 Byte, also 1.415.040 Byte pro Sequenz im MXFP8-Format [2].

DSpark: spekulative Decodierung mit Kostenbewusstsein

Bei klassischer spekulativer Decodierung verifiziert das Hauptmodell pro Schritt eine feste Zahl von Entwurfs-Tokens. DeepSeek argumentiert: Die Akzeptanzwahrscheinlichkeit variiert je Anfrage und Position, also verpufft bei fester Länge Rechenarbeit an unwahrscheinlichen Tokens [2]. DSpark lässt einen Confidence-Kopf die Akzeptanzrate jedes Entwurfs schätzen und verifiziert nur die Präfix-Teilmenge mit dem höchsten erwarteten Durchsatz-Beitrag [2]. Im Produktivbetrieb erzeugt das Entwurfsmodell fünf Tokens pro Runde [2].

DSpark: gemessener Durchsatzgewinn gegenüber fester Länge 5
-1,52,626,7510,881516, Durchsatzgewinn in Prozent: -1,51632, Durchsatzgewinn in Prozent: 1,63248, Durchsatzgewinn in Prozent: 3,64860, Durchsatzgewinn in Prozent: 5,46072, Durchsatzgewinn in Prozent: 6,77296, Durchsatzgewinn in Prozent: 1196Durchsatzgewinn in Prozent
Daten als Tabelle
Durchsatzgewinn in Prozent
16-1,5
321,6
483,6
605,4
726,7
9611

Hersteller-Messwerte aus EP64/DP64-Benchmarkdaten, geschätzter Durchsatz in Token/s/Rang. Unter Last steigt der Gewinn: Bei wenig Parallelität (16 Sequenzen) ist die feste Länge minimal schneller. Quelle [2].

Die Zahlen dahinter: Die dynamische Länge senkt die verifizierten Entwurfs-Tokens pro Schritt um rund 30 Prozent (von 5,00 auf 3,2 bis 4,4), während die akzeptierte Länge nahezu gleich bleibt (3,29 gegenüber 3,20 im Mittel). Am Produktions-Arbeitspunkt von etwa 60 gleichzeitigen Sequenzen pro Rang ergibt das laut DeepSeek 4 bis 7 Prozent mehr Durchsatz [2]. Der Mechanismus ist auch ein Beispiel für das Zusammenspiel mit dem asynchronen Scheduler: Weil die Confidence-Werte des Schritts N beim Planen von N+1 noch nicht vorliegen, legt die CPU nur das Gesamtbudget fest; die Verteilung auf einzelne Anfragen berechnet ein TileLang-Kernel direkt auf der GPU [2].

Reproduzierbarkeit als eigenes Thema

Zwei Funktionen zielen auf ein praktisches Ärgernis: Batch-invariante Inferenz hält Modellergebnisse unabhängig davon stabil, welche anderen Anfragen gerade im selben Batch laufen; deterministisches Sampling liefert bei identischen Eingabetokens und Parametern identische Ausgaben (beide derzeit nur auf NVIDIA, über Umgebungsvariablen aktivierbar) [1]. Für Evaluierungen und Fehlersuche ist das erheblich: Ergebnisse werden wiederholbar. Passend dazu liegt ein Evaluierungsrahmen bei, der Generierung und Bewertung strikt trennt - die Rohausgaben landen auf Platte, die Bewertung (etwa mit einem anderen Jurymodell) kann ohne erneute Generierung wiederholt werden [3]. Vorgesehen sind AIME 2026 (30 Aufgaben, 32 Samples je Aufgabe), Humanity's Last Exam (2.500 Aufgaben, davon 342 mit Bild) und GPQA Diamond (198 Aufgaben, 8 Samples), jeweils als Pass@1 [3].

Einordnung: Was heißt das für den Selbstbetrieb?

DeepInfer ist bemerkenswert offen und zugleich ehrlich unvollständig. Wer V4.1-Flash selbst betreiben will, bekommt die Engine mit den produktionserprobten Kerneln und exakt dokumentierten Konfigurationen - aber kein fertiges Großsystem: KV-Cache-Speicher, Disaggregation und Lastausgleich muss ein Betreiber selbst ergänzen, angeleitet durch die Architekturbeschreibung [1][2]. Die kleinste effiziente Einheit von 128 GPUs zeigt zudem, dass sich das Design an Anbieter mit echtem Skalenbedarf richtet; für kleinere Deployments bleibt die Engine nutzbar, verliert aber Teile ihres Vorteils [2]. Bemerkenswert ist die Transparenz selbst: Zahlen zu Verifikationslängen, Speicherbelegung und Lastausgleich (der Lastausgleich erreiche rund 80 Prozent eines perfekt balancierten Offline-Benchmarks [2]) liest man sonst kaum von einem Frontier-Anbieter. Die Anerkennung der Herkunft gehört zum Bild: DeepInfer basiere ursprünglich weitgehend auf vLLM, mit Anleihen bei SGLang und TensorRT-LLM [1].

Methode

Grundlage sind das DeepInfer-Repository mit README, das Deployment-Q&A-Dokument, das Evaluierungs-README und das Repository deepseek-recipe, alle am 24. Oktober 2026 abgerufen beziehungsweise gegen den Vortag unverändert re-verifiziert. Die DSpark-Werte stammen aus der Hersteller-Tabelle mit EP64/DP64-Benchmarkdaten; die Darstellung als Diagramm übernimmt die Werte unverändert. Keine eigenen Messungen.

Grenzen

Alle Skalen- und Leistungsangaben (155 Billionen Token/Tag, 38 US-Dollar/GPU-Stunde, Durchsatzgewinne, Trefferraten) sind Herstellerangaben ohne unabhängige Replikation. Das Release deckt nur Offline-Inferenz ab; die fehlenden Komponenten sind beschrieben, aber nicht als Code verfügbar, ein Vergleich mit anderen Stacks wurde vom Hersteller nicht veröffentlicht.

Quellen

  1. deepseek-ai/DeepInfer (Repository und README), GitHub / DeepSeek-AI (abgerufen 2026-10-24) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
  2. DeepSeek V4.1 Flash Inference Deployment Q&A, GitHub / DeepSeek-AI (abgerufen 2026-10-24) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
  3. DeepInfer eval/README (Benchmark-Methodik), GitHub / DeepSeek-AI (abgerufen 2026-10-24) ↩1 ↩2
  4. deepseek-ai/deepseek-recipe (Repository), GitHub / DeepSeek-AI (abgerufen 2026-10-24) ↩

Häufige Fragen

Was ist DeepInfer?

DeepInfer ist DeepSeeks quelloffenes Inferenzframework (Apache 2.0) für große Produktionsdienste. Es stellt Offline-Inferenz für DeepSeek-V4.1-Flash bereit - mit optimierten Kerneln, Parallelisierung, spekulativer Decodierung und strukturierten Ausgaben - und läuft auf NVIDIA-Blackwell- und Huawei-Ascend-950-Hardware.

Kann ich mit DeepInfer einen kompletten DeepSeek-Dienst nachbauen?

Nicht direkt. Das Release enthält die Engine, aber nicht das KV-Cache-System, nicht die Disaggregation von Vision-Encoder, Prefill und Decode und nicht den Lastausgleich. DeepSeek beschreibt diese Teile in einem Architektur-Dokument, liefert aber keinen Code dafür.

Was ist DSpark?

DeepSeeks Verfahren für spekulative Decodierung mit variabler Verifikationslänge: Ein Confidence-Kopf schätzt, welche Entwurfs-Tokens wahrscheinlich akzeptiert werden, und nur diese werden verifiziert. Laut Hersteller spart das rund 30 Prozent der Verifikationsarbeit und bringt am Produktions-Arbeitspunkt 4 bis 7 Prozent mehr Durchsatz.

Wie groß ist der DeepSeek-Betrieb wirklich?

Nach Herstellerangabe bedient ein einzelnes Cluster derzeit 155 Billionen Token pro Tag bei einem Gesamtumsatz von 38 US-Dollar pro GPU-Stunde zum Talstrompreis. Diese Angaben sind nicht unabhängig geprüft.

Unter welcher Lizenz steht DeepInfer?

Apache 2.0. Das begleitende Token-Kodierungspaket deepseek-recipe steht unter der MIT-Lizenz.

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