Google hat am 28. Oktober 2026 Gemini 4 Carbon vorgestellt - nur zwei Wochen nach Gemini 4 Argon. Carbon sei das stärkste Modell des Unternehmens, mit Spitzenwerten bei Cybersicherheit und sogenannten Long-Horizon-Aufgaben, also langen, mehrstufigen Arbeitsabläufen [1]. Intern habe man beobachtet, wie Carbon über Tage an komplexen Engineering-Problemen arbeitet, etwa beim Aufspüren und Patchen subtiler Fehler in großen Codebasen [1].
Cybersecurity: drei Benchmarks, drei Spitzenwerte
Google positioniert Carbon entlang des gesamten Abwehr-Zyklus - Finden, Validieren, Beheben - und nennt drei externe Benchmarks, jeweils ohne Guardrails evaluiert [1]:
- Finden: 88,2 Prozent auf SEC-bench Pro - das Modell spürt eigenständig komplexe Schwachstellen in echter Software auf.
- Validieren: 54,8 Prozent auf ExploitGym - das Modell prüft, welche Lücken tatsächlich ausnutzbar sind, und hilft so bei der Priorisierung.
- Beheben: 71,0 Prozent auf CWE-bench (Collinear) - validierte Befunde werden direkt in funktionierende Patches übersetzt.
Hinzu kommen interne Messungen: Bei der Erzeugung sicheren Codes meldet Google eine mehr als doppelte Erfolgsrate gegenüber Argon; das Chrome-Team attestiert Carbon mehr als zehnmal bessere hochwertige Patches als einem Frontier-Modell eines anderen Labors (welchem, sagt Google nicht). Die Cloud-Sicherheitsplattform Wiz beobachte Spitzenwerte bei Web-Penetrationstests [1]. Bei WebDev Arena legt Carbon um 89 Elo-Punkte auf Platz 4 (1768) zu [1].
Alignment: weniger Tricksen, weniger Fabulieren
Der zweite Schwerpunkt ist das Verhalten des Modells. Auf Terminal-Bench 4.0 habe Carbon erfolgreiche Täuschungsversuche ('cheating') auf 0,0 Prozent reduziert, die Versuche selbst auf 0,4 Prozent - bei gleichzeitig gestiegener Genauigkeit. In Live-Coding-Umgebungen interner Teams seien schwerwiegende Misalignment-Warnungen um fast 80 Prozent gesunken [1]. Unbelegte Behauptungen halbierten sich gegenüber Argon; statt zu fabulieren schreibe das Modell methodische Vorbehalte ins Ergebnis oder benenne, was zur Klärung fehlt [1]. Überschreitungen ('overreach') sanken um 26 Prozent, Nichterfüllung ('under-service') um 29 Prozent [1].
Daten als Tabelle
| Angriffserfolg in % | |
|---|---|
| Carbon | 0 |
| Argon | 0,7 |
| Opus 5.5 | 1 |
| GPT-6 Astra | 8,5 |
Erfolgsquote von Prompt-Injection-Angriffen im Gray-Swan-Benchmark - Werte aus Googles Vorstellung, Herstellerangaben [1][3].
Bei der Abwehr indirekter Prompt-Injection führte Argon den Gray-Swan-IPI-Benchmark bislang mit 0,7 Prozent Angriffserfolg an; Carbon liegt laut Google bei 0,0 Prozent - kein einziger evaluierter Angriff ging durch [1]. Zum Vergleich nennt die Google-Grafik 1,0 Prozent für Claude Opus 5.5 und 8,5 Prozent für GPT-6 Astra (Herstellergrafik, übernommen aus der Berichterstattung von Ars Technica) [3].
Verfügbarkeit und Preise
Carbon startet gestuft: Ab dieser Woche erhalten zunächst ausgewählte Cyber-Verteidiger Zugang, danach schrittweise weitere Partner über das Fairwind-Programm. Google verweist auf den freiwilligen Prüfprozess der US-Regierung für Modelle vor der Veröffentlichung; Entwickler, Unternehmen und Verbraucher sollen 'so bald wie möglich' folgen - ein Datum nennt Google auf Nachfrage nicht [1][3]. Der Einführungspreis entspricht dem von Argon: 2 Dollar pro Million Input-Tokens, 10 Dollar pro Million Output-Tokens, gecachter Input 95 Prozent günstiger. Nach der Einführungsphase steigen die Preise auf 4 beziehungsweise 20 Dollar [1].
Methode
Analyse auf Basis der Google-Ankündigung sowie der Berichte von The Verge und Ars Technica; alle drei Quellen wurden vollständig gelesen. Sämtliche Benchmark-, Alignment- und Preisangaben sind Herstellerangaben; die Redaktion hatte keinen Zugang zum Modell.
Grenzen
- Carbon ist zum Verkündungszeitpunkt nicht öffentlich verfügbar - eine unabhängige Verifikation der genannten Werte war daher nicht möglich.
- Die Vergleichswerte für Opus 5.5 und GPT-6 Astra stammen aus Googles eigener Grafik. Das Chrome-Team-Vergleichsstatement ('10x besser') nennt das Vergleichsmodell nicht.
- Googles Platz-1-Behauptung auf dem Artificial-Analysis-Index konnten wir nicht gegenprüfen; sie ist deshalb nicht Teil dieses Artikels.
Quellen
- Introducing Gemini 4 Carbon, Google (The Keyword) (abgerufen 2026-10-29) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
- Google launches Gemini 4 Carbon with a 'significant leap' in cybersecurity, The Verge (abgerufen 2026-10-29)
- Google announces Gemini 4 Carbon, its latest frontier AI model that you can't use, Ars Technica (abgerufen 2026-10-29) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
