Verlässlichkeit

Sicherheit für Agenten-Systeme: von Prompt Injection bis Sandbox

Warum KI-Agenten sich per Text austricksen lassen, was die tödliche Dreierkombination ist und welche Schutzschichten helfen, von Rechten bis Sandbox.

Drei sich überlappende Kreise mit den Beschriftungen Private Daten, Fremde Inhalte und Nach außen senden. In der Schnittmenge steht das Wort Gefahr.
Die Kombination aus privaten Daten, fremden Inhalten und Außenkontakt nennt Simon Willison die „tödliche Dreierkombination“ [3]. Eigene Grafik. · Eigene Grafik (Redaktion)
Kurz gesagt
  • Prompt Injection bedeutet: Text, den das Modell liest, ändert sein Verhalten. Bei indirekter Injection steckt dieser Text in Webseiten, Mails oder Dateien, nicht in der Eingabe des Nutzers [1][2].
  • Gefährlich wird es, wenn ein Agent drei Dinge vereint: Zugriff auf private Daten, Kontakt mit fremden Inhalten und die Möglichkeit, nach außen zu senden [3].
  • Ein sicheres Filter-Produkt gibt es nicht. OWASP hält es für unklar, ob es unfehlbare Verfahren gibt [1]. Deshalb zählt Schutz in Schichten: kleine Rechte, kontrollierter Datenfluss, Freigaben und Sandbox.
  • Ein Entwurf aus der Forschung, CaMeL, löste in der AgentDojo-Prüfung 77 % der Aufgaben mit belegbarer Sicherheit, ein ungeschützter Agent 84 % [5].

Ein Chatbot kann sich höchstens verplappern. Ein Agent kann handeln: Mails senden, Dateien löschen, Geld buchen. Damit ändert sich die Sicherheitsfrage grundlegend. Es geht nicht mehr nur um falsche Antworten, sondern um falsche Taten, und um Taten, die jemand Fremdes anstößt.

Diese Seite führt in sechs Schritten von der Gefahr zur Verteidigung. Wie ein Agent grundsätzlich arbeitet, erklärt Was ein KI-Agent wirklich ist; die Begriffe Prompt Injection, Jailbreak, Guardrails und Red Teaming stehen im Glossar.

Schritt 1: Prompt Injection, die Grundgefahr

Stell dir einen Praktikanten vor, der jede Post öffnet und alles tut, was darin steht, auch wenn der Brief von einem Fremden stammt. Genau so verhält sich ein Sprachmodell: Es bekommt Anweisungen und Daten als ein einziger Textstrom und kann beides nicht verlässlich trennen [3]. OWASP beschreibt Prompt Injection als Schwachstelle, bei der Eingaben das Verhalten des Modells ungewollt verändern, selbst wenn Menschen die Eingabe gar nicht lesen können [1].

  • Direkte Injection: Der Nutzer selbst schreibt etwas, das das Modell zu unerwünschtem Verhalten bringt [1].
  • Indirekte Injection: Das Modell liest externe Inhalte wie Webseiten oder Dateien, und dort steckt die versteckte Anweisung [1]. Die Forschungsarbeit, die diese Angriffsart 2023 systematisch untersuchte, argumentiert, dass KI-Anwendungen die Grenze zwischen Daten und Anweisungen verwischen [2]. Sie beschreibt unter anderem Datendiebstahl und sich selbst verbreitende Injektionen [2].
  • Jailbreak: Eine Form der Injection, bei der das Modell seine Sicherheitsregeln ganz ignorieren soll [1].

Schritt 2: Die tödliche Dreierkombination

Simon Willison, der den Begriff Prompt Injection geprägt hat, nennt drei Fähigkeiten, die in Kombination gefährlich werden [3]:

  1. Zugriff auf private Daten (der häufigste Zweck von Werkzeugen),
  2. Kontakt mit nicht vertrauenswürdigen Inhalten (jeder Weg, auf dem fremder Text zum Modell gelangt),
  3. Möglichkeit, nach außen zu kommunizieren (zum Beispiel eine Webanfrage, ein geladenes Bild oder ein Link).

Hat ein Agent alle drei, kann ein Angreifer ihn laut Willison leicht dazu bringen, private Daten zu holen und an ihn zu schicken [3]. Der Gegenschritt ist daher oft einfacher als jeder Filter: Nimm dem Agenten eine der drei Fähigkeiten. Wer den Agenten als Mail-Assistent nutzt, sollte ihm zum Beispiel keinen freien Internetzugang geben (eigene Einordnung).

Auch Werkzeug-Protokolle wie MCP spielen hier eine Rolle. Willison weist darauf hin, dass MCP dazu einlädt, Werkzeuge aus verschiedenen Quellen zu mischen, und dass Nutzer damit selbst die Dreierkombination zusammenbauen können [3].

Schritt 3: Zu viel Handlungsmacht

OWASP führt „Excessive Agency“ als eigenes Risiko: Schädliche Aktionen entstehen aus unerwarteten oder manipulierten Modellausgaben, egal ob Halluzination oder Injection die Ursache ist [6]. Als Wurzeln nennt OWASP zu viele Funktionen, zu viele Rechte und zu viel Autonomie [6].

  • Zu viele Funktionen: Der Agent soll Dokumente lesen, das Werkzeug kann auch löschen [6].
  • Zu viele Rechte: Das Werkzeug soll nur lesen, verbindet sich aber mit einer Datenbank-Identität, die auch ändern und löschen darf [6].
  • Zu viel Autonomie: Riskante Schritte laufen ohne Rückfrage durch.

Schritt 4: Schutz in Schichten

Es gibt keinen einzelnen Schalter. OWASP schreibt, es sei wegen der zufälligen Natur der Modelle unklar, ob es unfehlbare Vorbeugung gibt, und listet Maßnahmen, die die Wirkung begrenzen [1]. Willison ist deutlicher: Anbieter von „Guardrail“-Produkten werben oft mit 95 Prozent erkannter Angriffe, und das sei in der Websicherheit eine durchgefallene Note [3]. Das ist seine Einschätzung, keine Messung. Die folgenden Schichten ergänzen sich:

Fünf übereinander liegende Schichten: Ein- und Ausgaben prüfen, Rechte klein halten, Datenfluss kontrollieren, Mensch gibt riskante Schritte frei, Sandbox.
Fünf Schutzschichten für Agenten, Einordnung der Redaktion nach den Maßnahmen in [1], [5], [6] und [7].
  • Ein- und Ausgaben prüfen: Filter und feste Formate helfen, sind aber nicht lückenlos [1].
  • Rechte klein halten (Least Privilege): OWASP empfiehlt, dem Modell nur die nötigsten Rechte zu geben und Funktionen im Code statt im Modell zu behandeln [1].
  • Datenfluss kontrollieren: Fremde Inhalte dürfen keine folgenreichen Aktionen auslösen. Dazu mehr in Schritt 5.
  • Mensch gibt riskante Schritte frei: Für privilegierte Aktionen empfiehlt OWASP menschliche Freigabe [1]. Siehe Human-in-the-Loop.
  • Sandbox: Schritt 6.

Dazu kommt Prüfen: OWASP rät zu regelmäßigen Angriffstests, bei denen das Modell wie ein nicht vertrauenswürdiger Nutzer behandelt wird [1]. Das ist im Kern Red Teaming.

Schritt 5: Sicherheit durch Bauweise statt durch Bitten

Ein Satz im System-Prompt wie „Ignoriere fremde Anweisungen“ ist eine Bitte. Stärker ist, die Architektur so zu bauen, dass ein Treffer nicht zur Katastrophe führt. Das Forschungssystem CaMeL von Google und ETH Zürich zeigt eine Möglichkeit: Es zieht eine schützende Schicht um das Modell, extrahiert Steuer- und Datenfluss aus der vertrauenswürdigen Nutzeranfrage, damit fremde Daten den Ablauf nicht umlenken, und prüft bei jedem Werkzeugaufruf Sicherheitsregeln [5]. Dabei wird das Modell selbst nicht verändert [5].

In der AgentDojo-Prüfung löste CaMeL 77 Prozent der Aufgaben mit nachweisbarer Sicherheit, ein ungeschütztes System 84 Prozent [5]. Sicherheit kostet also etwas Nutzen. AgentDojo ist ein Testumfeld mit 97 realistischen Aufgaben und 629 Sicherheitsfällen, etwa für E-Mail, Online-Banking und Reisebuchungen [4]. Es misst, wie Agenten und Verteidigungen gegen Angriffe abschneiden. Wie man solche Zahlen liest, erklärt Modelle und Agenten richtig evaluieren.

Schritt 6: Die Sandbox, damit Fehler klein bleiben

Eine Sandbox ist ein abgeschlossener Sandkasten für Programme: Was darin passiert, soll draußen keinen Schaden anrichten. Das ist wichtig, sobald ein Agent selbst Code oder Befehle ausführt. Die Dokumentation von gVisor beschreibt drei Wege, Container stärker zu isolieren [7]:

  • Virtuelle Maschinen: Jeder Container läuft in einer eigenen virtuellen Maschine. Das bietet laut gVisor gute Isolation, kann aber bei der Dichte (viele Instanzen pro Rechner) schwierig sein [7].
  • Regelbasiert (zum Beispiel seccomp, AppArmor): Eine Richtlinie legt fest, was ein Programm darf. Gut bei kleiner Angriffsfläche, aber laut gVisor schwer verlässlich zu definieren [7].
  • Anwendungs-Kernel wie gVisor: Ein Kernel im Nutzerbereich, in Go geschrieben, fängt Systemaufrufe ab, um Container-Ausbrüche zu erschweren [7].

Welche Variante passt, hängt vom Einsatz ab. gVisor selbst nennt Kompromisse: schlechtere Leistung bei vielen Systemaufrufen, geringere Kompatibilität [7]. Für Agenten gilt zusätzlich eine eigene Einordnung: Eine Sandbox schützt nur, wenn auch der Weg nach draußen eng ist. Ist das Netz offen, kann ein manipulierter Agent Daten trotzdem versenden. Das ist wieder die Dreierkombination aus Schritt 2.

Checkliste für dein eigenes Agenten-System

  1. Dreierkombination: Hat der Agent private Daten, fremde Inhalte und Außenkontakt? Wenn ja, eines davon streichen.
  2. Rechte: Hat jedes Werkzeug nur die Funktionen und Zugriffe, die es braucht?
  3. Freigaben: Braucht jede Aktion mit Folgen (Zahlen, Löschen, Senden) einen Klick eines Menschen?
  4. Fremde Inhalte kennzeichnen: Wird getrennt, was vom Nutzer kommt und was aus Mails oder Webseiten stammt [1]?
  5. Sandbox: Läuft ausführbarer Code in einer abgeschotteten Umgebung mit engem Netzzugang?
  6. Testen: Gibt es Angriffstests, bevor echte Daten angeschlossen werden [1][4]?

Wie diese Seite in einen größeren Weg passt, zeigen die Lernpfade für Einsteiger, Praktiker und Entscheider.

Methode

Gelesen wurden am 20. Oktober 2026 die beiden OWASP-Seiten, Willisons Beitrag, die arXiv-Seiten mit Volltext zu den drei Forschungsarbeiten (Greshake u. a., AgentDojo, CaMeL) und die Einführung der gVisor-Dokumentation. Die Beispiel-Mail ist erfunden und als solche gekennzeichnet. Die Schichten-Grafik und die Checkliste sind Einordnungen der Redaktion auf Grundlage der genannten Quellen.

Grenzen

Die Zahlen zu CaMeL und AgentDojo stammen aus den Papers der Autoren und sind nicht unabhängig nachgeprüft. Die Forschung ist im Fluss, einzelne Angriffs- und Verteidigungsmethoden können überholt sein. Die Sandbox-Darstellung folgt der Dokumentation eines einzelnen Projekts (gVisor) und deckt andere Werkzeuge nicht ab. Zur Wirksamkeit einzelner Filterprodukte wurde nichts gemessen.

Quellen

  1. LLM01:2025 Prompt Injection, OWASP Gen AI Security Project (abgerufen 2026-10-20) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
  2. Not what you’ve signed up for: Compromising Real-World LLM-Integrated Applications with Indirect Prompt Injection, arXiv:2302.12173 (Greshake u. a.) (abgerufen 2026-10-20) ↩1 ↩2 ↩3
  3. The lethal trifecta for AI agents: private data, untrusted content, and external communication, Simon Willison, 16. Juni 2025 (abgerufen 2026-10-20) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
  4. AgentDojo: A Dynamic Environment to Evaluate Prompt Injection Attacks and Defenses for LLM Agents, arXiv:2406.13352 (Debenedetti u. a.) (abgerufen 2026-10-20) ↩1 ↩2
  5. Defeating Prompt Injections by Design, arXiv:2503.18813 (Debenedetti u. a., Google, Google DeepMind, ETH Zürich) (abgerufen 2026-10-20) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
  6. LLM06:2025 Excessive Agency, OWASP Gen AI Security Project (abgerufen 2026-10-20) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
  7. What is gVisor?, gVisor-Dokumentation (abgerufen 2026-10-20) ↩1 ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6

Häufige Fragen

Was ist Prompt Injection?

Prompt Injection liegt vor, wenn Text das Verhalten eines Sprachmodells ungewollt verändert. Direkt geschieht das über die Eingabe des Nutzers, indirekt über Inhalte, die das Modell liest, etwa Webseiten, Mails oder Dateien.

Was ist der Unterschied zwischen Prompt Injection und Jailbreak?

Ein Jailbreak ist laut OWASP eine Form der Prompt Injection, bei der das Modell seine Sicherheitsregeln komplett ignorieren soll. Prompt Injection ist der weitere Begriff und umfasst jede unerwünschte Beeinflussung durch Eingaben.

Was ist die tödliche Dreierkombination bei KI-Agenten?

Zugriff auf private Daten, Kontakt mit fremden Inhalten und die Möglichkeit, nach außen zu senden. Wer alle drei kombiniert, kann laut Simon Willison leicht Daten verlieren. Es hilft, mindestens eine der drei Fähigkeiten wegzulassen.

Reichen Guardrails gegen Prompt Injection?

Nein, nicht allein. OWASP hält unfehlbare Vorbeugung für unklar, und Filter erkennen nie alle Angriffe. Sinnvoll ist Schutz in Schichten mit kleinen Rechten, Freigaben, kontrolliertem Datenfluss und Sandbox.

Weiterlesen