Warum Sprachmodelle halluzinieren
Erfundene Fakten sind kein Defekt, sondern eine Folge davon, wie diese Modelle arbeiten. Was dagegen hilft und was nicht.
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Beide Ansätze bringen Wissen ins Modell. Sie lösen aber verschiedene Probleme, und die Wahl entscheidet über Kosten, Tempo und Genauigkeit.
Ein Sprachmodell weiß nur, was in seinem Training steckte und was im aktuellen Prompt steht. Firmenwissen, aktuelle Dokumente oder dein Notizarchiv gehören nicht dazu. Du musst es hineinbringen.
Bei RAG (Retrieval-Augmented Generation) durchsucht ein Index vor jeder Frage deine Dokumente und liefert die passendsten Abschnitte. Nur diese landen im Prompt. Beim langen Kontext gibst du das ganze Material gleich mit, soweit es in das Kontextfenster passt.
RAG spielt seine Stärken aus, wenn die Wissensbasis groß ist, sich oft ändert oder Quellen belegt werden müssen. Du bezahlst pro Frage nur für wenige Textstücke, kannst Treffer mit Quellenangabe anzeigen und den Index jederzeit aktualisieren, ohne etwas neu zu trainieren.
Die Schwäche sitzt im Suchschritt. Findet der Index die richtige Stelle nicht, hat das Modell nichts, womit es antworten kann, und rät oder weicht aus. Gute Aufteilung der Texte, brauchbare Metadaten und eine Kombination aus Stichwort- und Bedeutungssuche entscheiden hier mehr als das Modell.
Passt das Material in das Fenster, ist der lange Kontext der einfachere Weg. Es gibt keinen Index zu pflegen und keinen Suchschritt, der etwas übersieht. Besonders gut klappt das bei Fragen, die über ein ganzes Dokument gehen, etwa 'Wo widerspricht sich dieser Vertrag?' oder 'Fasse die Argumentation zusammen'.
Der Preis: Du zahlst bei jeder Anfrage für den gesamten Text, und die Antwort kommt langsamer. Dazu kommt, dass Modelle Informationen mitten in sehr langen Texten teils schlechter nutzen als am Anfang oder Ende. Wer sich darauf verlässt, sollte es mit eigenen Daten testen.
Ein Dokument oder wenige, einmalige Fragen: langer Kontext. Viele Dokumente, häufige Fragen, laufende Änderungen oder Pflicht zur Quellenangabe: RAG. In der Praxis mischen viele Teams beides, etwa RAG zum Eingrenzen und dann einen großzügigen Kontext für die gefundenen Dokumente.
Entscheiden solltest du nicht nach Gefühl, sondern mit einer kleinen Testmenge echter Fragen. Mehr dazu im Beitrag über Evals.
Nicht vollständig. Für kleine bis mittlere Materialmengen reicht es oft. Bei großen, wechselnden Beständen bleiben RAG wegen Kosten, Tempo und Quellenbelegen die bessere Wahl.
Es fallen Kosten für Indexierung, Speicher und die Modellaufrufe an. Pro Frage ist es meist günstiger als ein voller Kontext, weil nur wenige Textstücke übergeben werden.
Es senkt sie, weil das Modell Belege vor sich hat. Ganz verhindern kann es sie nicht. Das Modell kann Quellen falsch lesen oder bei fehlenden Treffern trotzdem antworten.
Erfundene Fakten sind kein Defekt, sondern eine Folge davon, wie diese Modelle arbeiten. Was dagegen hilft und was nicht.
Warum dieselbe Frage mal einen Cent und mal einen Euro kostet, und welche vier Stellschrauben dabei zählen.